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Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Ostthüringen
Saison Saison 1930/1931 Rückrunde
Ansetzung 1.SV Jena : SC Apolda
Ort Stadion des 1. SV Jena
Zeit So 28.12.1930 14:00
Zuschauer
Schiedsrichter Kunstmann (Dresdner SC)
Ergebnis 2:0 (1:0) - Abbruch (71.)
Tore
  • 1:0 Werner (16.)
  • 2:0 Opatz (66.FE)
Andere Spiele
oder Berichte

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Aufstellungen

Jena
Großkopf
Keiling , Opatz
Grübner , Sturm , Rosenke
Mieth , Schüßler , Thier , Werner , Kleinsteuber


Großkopf (am 10.01.31 - 2 Monate Disqualifikation)
Thier (am 10.01.31 - 1 Monat Disqualifikation)
1.SV Jena - 50 Mark Strafe


Apolda
Phenn
Barthel , Hauer
Biazeck (67.) , Mähler(67.) , Löhmer(71.)
Scholz , Herfurth , Kirsch , Müller , Nägler


Biazeck (am 10.01.31 - 3,5 Monate Disqualifikation)
Mähler (am 10.01.31 - 5,5 Monate Disqualifikation- im April sogar 2 Monate Gefängnis wegen Körperverletzung)
Löhmer (am 10.01.31 - 3,5 Monate Disqualifikation)
MK Hauer (am 10.01.31 - 2 Monate Disqualifikation)
Kurt Bayer - 20 Mark Strafe
Lisker - 50 Mark Strafe

Anmerkung

Eigentlich war das Spiel für den 11.01.1931 angesetzt , wurde aber dann wegen der 3. Pokalzwischenrunde vorgezogen .

Urteil

Am 17.01.1931 wurde das Spiel für Jena mit 2:0 als gewonnen gewertet .

Spielbericht

Jena : SC Apolda

Apoldaer Publikum stürmt den Platz

...und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen - so klang es noch vor wenigen Tagen über die Erde . Aber es ist verklungen , wie heute so vieles Gute verklingt und verrauscht , ohne auch nur die geringste Wirkung zu hinterlassen . Haß , Feindschaft und brutale materialistische Einstellung haben so tiefe Wurzeln geschlagen , daß auch eine Bewegung wie die des Sportes nicht davon verschont geblieben ist . Dafür war das gestrige Fußballspiel des 1.SV Jena gegen den SC Apolda nur ein neuer Beweis , allerdings kräftig genug , um dem Fußballanhänger auch die letzten Illusionen zu nehmen . Letzten Endes gibt es für das , was gestern auf dem Sportvereinsplatz geschah nur einen Satz :

"Diese Untermenschen , die jene Skandalvorgänge verursachten , müssen geradezu von Sinnen sein , sonst könnten sie sich wegen eines Spieles nicht dermaßen vergessen und ihr letztes bißchen Menschentum so billig wegwerfen ."

Man bringt vielleicht heute mehr aus alter Anhängerschaft als aus Ueberzeugung noch etwas Verständnis dafür auf , daß Feiertags gespielt und gekämpft wird . Dann erwartet man allerdings ein anständiges Spiel , das "Niveau hat" , wie man so sagt . Es ist aber heute schon so weit , daß man der zuständigen Behörde den Vorschlag zu unterbreiten geneigt ist , während hoher Festwochen Fußballspiele zu untersagen , weil die Heiligkeit und die Gesinnung Andersdenkender unter Umständen aufs gröblichste verletzt werden könnten . Ein Verein , der nur noch solchen Anhang an seinen Fersen zu heften vermag , wie es der gestern merkwürdigerweise zahlreich mit Stöcken bewaffnete Teil des Apoldaer Publikums war , ist mit seiner sportlich-erzieherischen Tätigkeit am Ende und mit ihm die Bewegung , der er angehört . Das , was gestern auf dem Sportvereinsplatz von Rüpeln und Fanatikern in Szene gesetzt wurde , ist nicht nur "der Anfang vom Ende" , wie wir schon vor längerer Zeit einen Artikel von uns überschrieben , sondern bereits das Ende selbst . Was nun den besonderen Teil des gestrigen Fußballspieles betrifft , so können wir nach dem , was wir zu sehen und hörn vermochten , folgendes berichten : Die Spieler vom SC Apolda hatten ein für die Gaumeisterschaft unter Umständen entscheidendes Spiel in Jena im Stadion des 1.SV auszutragen . Eine zahlreiche Anhängerschaft war ihnen gefolgt , um ihrem Spiel einen Widerhall und Ansporn zum Erfolg zu geben . Das Spiel nahm in der ersten Halbzeit bei einem Erfolg des 1.SV Jena einen ruhigen Verlauf , so daß man wohl ein regelrechtes Ende erwarten konnte . Jena hatte den besseren Sturm , es spielte gefälliger ; Apolda war hart und eifrig , aber das Spiel bewegte sich in sportlichen Grenzen . Nach Beginn der zweiten Halbzeit drückte Apolda mächtig und hatte mehr als einmal Gelegenheit zum Ausgleich . Der Platz war aber sehr schlüpfrig , ebenso der Ball , stark die Jenenser Verteidigung , die teilweise recht zahlreich wurde , und so kam der 1.SV glücklich über diese Viertelstunde hinweg . Die Zwischenrufe der Apoldaer Anhängerschaft konnte man aus Gewohnheit nicht für so ernst nehmen , als daß man deshalb tätliche Angriffe von dieser Seite erwartete . Da fing das Unglück mit einem 11-Meter gegen die Apoldaer an . Ein Apoldaer Spieler mußte den Platz verlassen . Opatz verwandelte glatt . Nun ging die Hölle los . Die Apoldaer Spieler legten sich keinen Zwang mehr auf . Eine wüste "Holzerei" setzte ein , und Apolda Nummer zwei wurde vom Platz verwiesen . Erregt standen die Spieler in der Mitte des Platzes , als sich Thier vom 1.SV plötzlich im Grase krümmte , von einem Apoldaer Spieler anscheinend im Streit vor den Unterleib getreten . Nummer 3 vom SC Apolda verließ den Platz , was den Generalangriff der SC-Anhängerschaft bedeutete . Einige Gruppen von jungen Leuten drangen mit Stöcken auf den Platz ein . Ehe man recht zur Besinnung kam , hatte man sich tätlich am Sportvereinstorwart Großkopf vergriffen , eine Schlägerei entstand , bis der in Gefahr schwebende Jenenser von seiner nun ebenfalls nicht mehr zusehenden Anhängerschaft befreit wurde . Zwei der Rüpel hatte man ergriffen und setzte dem einen stark zu , doch erwies sich das Jenaer Publikum diesen Sportplatzblüten gegenüber recht gefaßt , so daß sie froh sein können , so gnädig behandelt worden zu sein . Das Ueberfallkommando wurde gerufen - überall erregt sprechende Gruppen - die Spieler waren schnell verschwunden . Die Polizei rückte kurz nach dem Haupttumult an und säuberte vollends den Platz . Wieviele Schläge es sonst noch in dem Tumult gesetzt hat , konnten wir in einzelnen nicht feststellen , doch erfuhren wir , daß auch der 1. Vorsitzende des 1.SV beim Versuch zur Schlichtung des Streites einen Schlag über den Arm bekam , der dem Kopf gegolten hatte . Das war das Ende der Verbandsspiele des Gaues Ostthüringen im Jahre 1930 . Was soll man angesichts der gestrigen Vorgänge der Fußballbewegung zum neuen Jahre wünschen ? Wachsen , Blühen und Gedeihen ? Was soll man den Vereinen raten und wünschen ? Doch nur eins : daß dieses Spielsystem , welches Feindschaft , Haß und Unterwühlung einer großen und auch guten Bewegung gebracht hat , fällt , und durch ein System der freien Vereinbarung ersetzt wird . Bei den gestrigen Vorfällen liegt für uns die Schuld klar auf der Gästeseite , die zünftige Stockbewaffnung vieler Auswärtiger war zuletzt nicht mehr mißzuverstehen . Die Härten einiger Jenaer Leute standen in gar keinem Verhältnis zu denen der Spieler vom SC . Aber mitschuldig an diesem Fußballjahresende sind alle diejenigen , die einen schon lange als verderbt bezeichneten Spielbetrieb mitmachen im falschverstandenen Interesse des Vereins , die dulden , was sie im Innern als schlecht und faul erkennen - letzten Endes nur , weil eine ganz falsche Finanzierung unserer Vereine vorhanden ist . Mitgliedsbeitrag und persönliches Opfer sind die Grundlagen eines jeden Amateursportes - nicht die vagen Spieleinnahmen , die sowieso nur zum größten Teil der Erhaltung des erstklassigen Fußballbetriebs dienen und die Vereine von einem mehr oder weniger fanatischen Fußballplebs abhängig machen .

Jenaische Zeitung am 29.12.1930

Spiele

(28.12.1930)

  • 1.SV Jena : SC Apolda 2:0 - abgebrochen
  • SV Kahla : VfB Jena 4:1
  • SC Weimar : VfB Rudolstadt 3:2

(04.01.1930)

  • Vimaria Weimar : SC Weimar - Ausfall
  • VfL Saalfeld : VfB Apolda 0:2
  • SC Apolda : Richthofen Weimar 11:3