1935/36 DM2
| Spieldaten | |
| Wettbewerb | Endrunde Deutsche Meisterschaft , 2. Spieltag |
| Saison | Saison 1935/1936 |
| Ansetzung | 1. SV Jena - 1. FC Nürnberg |
| Ort | Stadion Jena |
| Zeit | So 19.04.1936 15:30 |
| Zuschauer | 9.500 |
| Schiedsrichter | Röhrbein (Minerva Berlin) |
| Ergebnis | 1:5 (0:2) |
| Tore |
|
| Andere Spiele oder Berichte |
{{{Links}}} |
Aufstellungen
- Jena
- Günther
- Hädicke , Ketteritzsch
- Paul , Werner , Kleinsteuber
- Hymon , Schipphorst , Bachmann , Himßler , König
Tr.: Pöttinger
- Nürnberg
- Köhl
- Billmann , Munkert
- Uebelein I , Carolin , Oehm
- Gußner , Eiberger , Schmitt , Friedel , Spieß
Tr.: Dr. Michalke
Spielbericht



- Nach einer Stunde noch 1-2 - Zwei Tore Carolins ! - Nur Werner und Hädicke den Nürnbergern ebenbürtig
In Thüringen tags zuvor Schneestürme , bis eine Viertelstunde vorm Spiel Dauerregen . Thüringer und Bayerischer Fußball immer noch ein Klassenunterschied . Jena wehrte sich , trotz der sofort offensichtlichen technischen Unterlegenheit , überaus tapfer . Und länger als eine Stunde hatten die Nürnberger um den Sieg schwer zu kämpfen . Die Franken schafften in der ersten Halbzeit 2 Tore durch ihren Mittelläufer Carolin (ex Wacker Leipzig) . Nach dem Wechsel war vorerst Jena tonangebend , und Schipphorst gelang nach schönem Zusammenspiel mit Himsler auch das 1:2 . Dann noch Großchance von Bachmann nach Zuspiel Hymons , drüber . Aber 25 Minuten vor Schluß , Abwehrfehler Kleinsteuber , 1:3 und innerhalb von 9 Minuten 1:4 und 1:5 . Jena kräftemäßig am Ende und das Pulver verschossen . Der Club übernahm das Kommando , aber nur noch mit halber Kraft . Dieser Club könnte auch Schalke gefährlich werden . Reibungsloses Zusammenspiel , unzählige exakte Paßfolgen , die es Jena unmöglich machten , überhaupt an den Ball zu kommen , erzeugten Beifallsstürme der 8000 . Da Jena nur 2 Spieler ( Werner , Hädicke ) von ähnlichem Format besitzt , war nichts zu holen .
Aus dem Bericht von Alex. aus dem Fußball vom 21.4.36
Zum 9. Mal war am Sonntag der Club in Jena beim 1.Sportverein zu Gast , und wenn es wieder nicht für uns zum Sieg langte , wenn vielmehr die 8.Niederlage reichlich hoch ausfiel , so haben sich dennoch alle Zuschauer , fast 10 000 trotz des Gewitterregens , über dieses Spiel gefreut , brachte es uns doch die Bekanntschaft mit einer der heute zweifellos besten deutschen Fußballmannschaften . Wir wundern uns nicht , daß Schalke im Endspiel um die Pokalmeisterschaft abgehängt wurde , und wir würden uns auch nicht wundern , wenn der neue deutsche Meister der 1.FC Nürnberg hieße . Somit ist zugleich gesagt , daß die Jenaer sich wohl die Niederlage zu Herzen nehmen sollte , zumal ihnen ja sehr anschaulich gemacht wurde , wo es noch fehlt , aber doch nicht so sehr , daß sie nun Minderwertigkeitsgefühle bekommen . Der 1.Sportverein hat zudem unglücklich gekämpft und vor allem im Sturm seine sonstige Leistung nicht erreicht . Und dann hat er sich , als der Ausgleich vergeben wurde , völlig aus dem Konzept bringen und sich vermeidbare Treffer ins Tor setzten lassen . Für die Jenaer geht es nun darum , in den anderen vier Gruppenspielen so gut zu bestehen , daß sie nicht auf den letzten Platz bleiben . Auch diese Aufgabe ist schon des größten Einsatzes wert . Bemerken möchten wir noch , daß vor einem Jahr der Gruppensieger Stuttgart zuerst auch am Ende lag .
Was hat nur Petrus gegen die Gruppenspiele ? Schon in Worms schickte er einen Wolkenbruch , und am Sonntag in Jena einen starken Gewitterregen und vorher das launischste Aprilwetter . Zur Ehre der Jenaer und Thüringer ist zu sagen , daß noch einmal soviel Zuschauer wie in Worms gekommen waren . Unter ihnen auch Thüringens Ministerpräsident Marschler und Gausportwart Pietsch-Helbra für den Gaufachamtsleiter . Und nun hinein ins Spiel ! Natürlich war's sehr glatt auf dem Rasen . Nürnberg findet sich damit bald ab , wie die Gäste überhaupt weit bessere Körperverfassung zeigen . Den ersten Schuß auf die Kiste - oder vielmehr daneben - läßt Eiberger los . Und auch den zweiten , der übers Tor ging . Das war das Einschießen . Die Kombinationsmaschine der Gäste klappt dagegen sofort , der Ball wird konsequent flach gehalten und kurz und weich zugepaßt . Unendlich schön , dieses Zuspiel der Nürnberger , diese Ballbehandlung , das Verstehen untereinander und damit der Fluß des Angriffsspiels . Vielleicht manchmal schon zuviel des Schönen . Die erste Ecke geht an Jena . Ketteritzsch gefällt durch beherztes Angehen , das ihm oft Erfolg einbringt . Dann wirft sich Jenas Deckung zweimal erfolgreich in scharfe Schüsse von Eiberger und Friedl . Günther faßt hechtend einen ball Eibergers . Köhl fängt auf der Gegenseite eine Strafstoßbombe Werners aus 40 Meter . Nürnbergs Deckung rückt nun auf . Jenas Verteidigen müssen den Stürmern den Ball vom Fuß nehmen . Paul gibt sich die größte Mühe , den ganz gefährlichen , wuchtigen und sehr schnellen Gußner auf Rechtsaußen zu halten , muß ihn aber immer ziehen lassen und auch Hädicke , und stets brennt's dann bei Jena . Einmal verpaßt Spieß eine Flanke von Gußner , dann fängt Günther den Ball Gußners . Nun ist Hymon durch , flankt gefährlich , aber Schipphorst kann nicht placiert genug köpfen . König hat glänzend getäuscht , aber die Verteidigung fängt die Flanke ab . Jena müht sich noch immer mit dem Dreiersturm , dazu ist Himßler als rechter Verbinder schwach , während Schipphorst wieder gefällt . Das Spiel ist jetzt verteilter , Eine Hymon-Flanke fängt König ab , Bekommt das Leder aber nicht richtig auf den Fuß . Da Nürnbergs Stürmer nicht mehr so recht durchkommen , versucht sich "Tipfi" Oehm in Fernschüssen . Ketteritzsch stört noch immer vorzüglich . Und wieder ist es Gußner , der einen unverhofften flachen Schuß abfeuert , den Günther nur im Fallen abfangen kann . Dann aber passiert's , und wieder kam der Angriff von rechts . Friedl knallt unheimlich scharf an die Unterkante der Latte , den zurückspringenden Ball sendet Spieß vollends ein . 1:0 für Nürnberg nach 27. Minuten . Nun ist der Club munterer . Jena verteidigt stark . Hat aber zu gleicher Zeit eine gute Gelegenheit : bei einem Angriff von Himßler-König rollt der Ball am Tor vorbei , Hymon ist da und schießt , hat aber das Leder nicht genau getroffen . Es ist erfreulich , daß König immer schön durchkommt , obwohl er mit den Internationalen Oehm und Munkert eine schwere Seite bekommen hat . Einen Nahschuß das durchgelaufenen Gußner kann Günther nur fausten . Auch einen Fernschuß von Schmitt hält er . Dann muß der "Hauptmann" Köhl bei einer Flanke Königs durch Herauslaufen retten . Er beherrscht aber den Strafraum so gut wie sein Vorgänger Stuhlfaut , der ja auch "Ausflüge" liebte . Und nun die Nr.2 . Gußner ist wieder frei , schießt , Günther wehrt ab , aber zu kurz . Spieß ist da und sendet ein : 2:0 für den Club in der 43. Minute . Als Spieß allein vor Günthers Tor ist kann dieser nur mit dem Fuß wehren . Eine Flanke Königs hebt Bachmann mit der Hand übers Tor .
Und weiter geht's nach der Pause . Schipphorst köpft einen Strafstoß Bachmanns über die Latte , auf der Gegenseite nimmt Spieß einen Abstoß auf und geht frei durch bis zum Strafraum ! Einen Strafstoß hebt Günther knapp zur Ecke . Und nun macht's Jena den Gästen nach : eine feine kurze Kombination von König zu Bachmann und zum freistehendenSchipphorst , unhaltbar sitzt der Schuß . 2:1 in der 55. Minute . Jena bekommt Auftrieb , spielt ebenfalls flach und kurz zu . Und hat mehr vom Feldspiel . Während majestätisch ruhig an den Kernbergen ein Segelflugzeug kreuzt , hat Günther mit dem Fuß zu wehren . Oehm , der stille Dirigent in der Läuferreihe , sorgt wieder für Druck Nürnbergs . Und dann kommt der große Augenblick für Jena : Bachmann erhält von Hymon prächtig den Ball zugespielt , geht frei durch und - schießt hoch übers Tor . Das war die Ausgleichsmöglichkeit , die dem Spiel vielleicht einen anderen Ausgang gegeben hätte . Denn nun fallen die Jenaer , entmutigt , mehr und mehr ab , nun zeigt sich die wahre Klasse der Nürnberger in einem fabelhaften Endspurt , dem unsere Leute nichts mehr entgegenzusetzten hatten . Jenas Deckung hat schwache Minuten . Blitzschnell ist Spieß da und erhöht in der 68. Minute auf 3:1 . Es fällt auf , daß Paul jetzt Gußner besser zu halten versteht . Nun verteidigt Jena fast nur noch und beschränkt sich auf einzelne Vorstöße . Fünf Minuten nach dem 3. Tor gibt es ein Zusammenspiel Schmitt-Eiberger-Friedl , das dieser zum 4. Tor ausnutzt . Aber damit nicht genug . Die große Ueberlegenheit nimmt Schmitt in der 75. Minute wahr und schießt nach einem blitzschnellen Hin und Her Nummer 5 . Noch einmal täuscht König sehr gut , aber Bachmann setzt den Ball neben den Kasten . Ueberhaupt kämpf Jena bis zum Schlußpfiff unentwegt , König läßt noch einen Schuß los . Dann pfeift Röhrbein-Berlin , der in seinen Entscheidungen etwas langsam war , ab ; Nürnberg kann zwar einen hohen Sieg mit nach Hause nehmen , hat ihn aber gegen einen tapferen Gegner schwer erkämpfen müssen , darüber kann auch das oft tändelnde und sich so mühelos ansehende Spiel der Gäste nicht hinwegtäuschen .
Nürnberg hatte im linken Läufer Oehm einen seiner besten Spieler . Hervorragend war weiter der Rechtsaußen Gußner , der durch seine schnellen Flankenläufe und gesunden Torschuß die Jenaer Verteidigung immer wieder vor neue Aufgaben stellte , gut war auch der Torwart Köhl . Bei Jena war König sehr gut . Werner streckenweise sehr gut , Günther leistete trotz der hohen Niederlage vor allem im zweiten Abschnitt prächtige Arbeit . Auch Ketteritzsch verdient für seine Störungsarbeit hervorgehoben zu werden .
Bericht von W.M. in der Jenaischen Zeitung vom 20.04.1936
anderes Gruppenspiel
- Stuttgarter Kickers : Wormatia Worms 3:2