1938/1939 14. Spieltag: 1. SV Jena - VfL Halle 96 8:0

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Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Mitte, 14. Spieltag
Saison Saison 1938/1939, Rückrunde
Ansetzung 1. SV Jena - VfL Halle 96
Ort 1. SV-Stadion in Jena
Zeit So 26.02.1939 15:00
Zuschauer 1.500
Schiedsrichter Liebschner ( Weißenfels)
Ergebnis 8:0 (4:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Jena
Ehrenfried Patzl
Hermann Schüßler, Walter Hädicke
Walter Paul, Heinz Werner, Kurt Beckert
Alex König, Hans Ullrich, Walter Bachmann, Ludwig König, Ludwig Hoffmann

Trainer : Rudolf Prokoph


Halle 96
Geißler
Wischolek, Gabbert
Heiß, Lingesleben, Fritzsche
Werkmeister, Kammerl, Riedheimer, Bergt, Thormann

Trainer : Meißner

Spielbericht

1.SV Jena in Überform

Das Ergebnis in Jena spricht Bände! Aber die Jenaer Mannschaft ist gegenwärtig in einer Form, die der des Gaumeisters Dessau 05 wohl in nichts nachsteht. Es war ausgesprochenes Pech, daß die hallischen 96er ihren Gegner in dieser prächtigen Verfassung antrafen. Gegen diese Jenaer Mannschaft war kein Kraut gewachsen. Leider konnten die Hallenser auch diesmal nicht die beste Mannschaft stellen, da Verteidiger Müller und im Sturm Hoffmann fehlten. Besonders Müller ist heute noch nicht zu ersetzen. Wohl ist Gabbert keinesfalls schwächer, aber er fehlt im Zentrum und auf die Dauer konnte das 96er Schlußdreieck den immer wieder nach vorn brandenden Jenaer Angriff nicht aufhalten. Es wurde überlastet. Die Arbeit des Jenaer Trainers Prokoph trägt heute ihre Früchte. Jetzt endlich hat er seine Elf dorthin gebracht, wo er sie hin wünschte und wie er sie sich wünschte. Dazu beigetragen hat die Tatsache, daß der Abgang von mehreren Ligaspielern (der Kicker berichtete hierüber!) reinigend gewirkt hat. Heute ist wieder Kameradschaft in der Jenaer Elf tonangebend geworden!

Der Kampf war recht fair und nicht immer so einseitig, wie man bei dem 8:0 annehmen könnte. Denn die 96er versuchten alles Mögliche, wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen. Vor allem war es die hervorragende linke Seite mit Thormann, die immer wieder Anstalten dazu machte, leider aber im Innensturm wenig Gegenliebe fand. Klug war es von Jena, je nach Kampflage Werner nicht nur im Zentrum zu behalten. Zeitweise tauschte er mit Paul. Dadurch kam immer wieder Druck nach vorn. Werner selbst beteiligte sich mit am Toreschießen. Viel machte es auch aus, daß der Soldat und Linksaußen Hoffmann wieder zur Verfügung stand. In feiner Form befand sich auch Ludwig König, der nicht nur 2 Tore schoß, sondern an den meisten Treffern durch entsprechende Vorbereitungsarbeit beteiligt war. Der fünfte Treffer resultierte aus einem von Bachmann verwandelten Elfmeter, das sechste Tor kam nach einem Freistoß im Strafraum, den L. König an Werner weiterleitete. Eigentlich hätte Liebschner wohl einen Elfmeter verhängen müssen! Das Spiel des Sportvereins hatte Fluß und Form. Es machte Freude, wie sich alle elf Spieler die größte Mühe geben. Man dachte auch etwas an das Vorspiel in Halle, das wohl mit 3:0 gewonnen worden war, aber erst nach vieler Mühe und Not. Gegen den gestrigen 1. Sportverein Jena hatte Halle 96 wirklich nicht viel zu bestellen. Und ähnlich wäre es am 26. Februar auch anderen Gegnern ergangen...

Beste Spieler : Jena durchweg gut, überragend Werner, L. König und Beckert

(Bericht im Kicker vom 28.Februar 1939)


An einen glatten Sieg über den VfL 96 Halle hatte wohl jeder gedacht, daß es aber am Sonntag im Stadion ein solches Schützenfest geben würde und daß der Kampf vom 1. SV Jena in derart klassenmäßig überlegener Weise errungen wurde, haben wir alle nicht erwartet. Jedoch zeigte es sich, daß die Hallenser nach den bekannten Vorfällen und dem Ausschluß von Hoffmann und Ilski recht spielschwach geworden sind, so daß sie kaum mehr Gauligareife haben. Wenn das bei den 96ern nicht grundlegend anders wird, dürften sie im nächsten Jahr erster Abstiegskandidat sein, wie sie ja schon immer stark untern in der Tabelle hingen. Bei Halle fehlte der bekannte Verteidiger Müller, den Gabbert aber ganz gut ersetzte. Der 1. SV Jena trat in seiner derzeitigen Standardaufstellung an. Es muß den Gästen bescheinigt werden, daß sie tapfer gekämpft haben und namentlich in der zweiten Halbzeit um den Ehrentreffer rangen, aber es fehlte doch soviel, namentlich im Sturm, daß das 8:0 noch schmeichelhaft ist. Hätte der 1. SV nicht so großzügig gespielt und die Sache nicht so von oben angepackt, dann hätte es leicht zweistellig ausgehen können. Die 96er stellten sich sofort auf Abwehr ein, indem sie nur vier Stürmer vorn ließen. Aber auf die Dauer mußte bei dem druckvollen Angriffsspiel der Jenaer mit dem zermürbenden Kombinieren der Erfolg kommen.

Nach einer Viertelstunde erzielte Werner auf Vorlage Beckerts mit schönem Schuß in die lange Ecke das erste Tor. Nur wenig später läßt Hoffmann von der Mitte eine lange Bombe los, die so beherzt war, daß Geißler der Ball aus den Händen sprang. Auch für Nummer Drei zeichnete Hoffmann verantwortlich. Bachmann gab schön zu Ludwig König, dieser ebenso fein steil durch zu Hoffmann. Dieser bekommt beim Kampf mit dem Gegner den Ball gleich wieder und schießt am herauslaufenden Torwart vorbei ein. Bis zur Halbzeit fiel dann noch das 4. Tor: Bachmann täuscht und gibt zu König II, dieser schießt placiert an den Innenpfosten. Nach dem Wechsel geht der Torsegen weiter. Nach sechs Minuten wird der freie Bachmann unfair am Torschuß gehindert. Bachmann selbst verwandelt zum 5:0. Beim 6. Treffer gibt der bedrängte Bachmann den Ball von der Linie herein. Den auf die Torlinie zu rollenden Ball drückt Hoffmann vollends ein. Das siebente Tor resultiert aus einem indirekten Strafstoß innerhalb des Strafraums, den Werner einschoß. Nummer 8 schließlich schoß Bachmann auf Vorlage von Ullrich. Der Jenaer Mannschaft gebührt ein Gesamtlob für den guten Einsatz, wie überhaupt die Mannschaftsleistung recht geschlossen war - einzelne Spieler ragten noch heraus, doch fügten auch sie sich fein in das reibungslose Zusammenspiel ein, wie es ja auch sein muß. Da der Gegner ja nicht sehr stark war, kann im einzelnen über Fehler (Abspiel) und Vorzüge nicht gesagt werden, da der Maßstab aus diesem Kampf zu Trugschlüssen führen würde. Im allgemeinen jedoch muß das Spiel des 1. SV gelobt werden. Der 2. Platz in der Tabelle dürfte nun sicher sein.

(Bericht von W.M. in der Jenaischen Zeitung vom 27.02.1939)

andere Spiele

  • Dessau 05 : Steinach 08 1:0 , 4.500 Z.
  • Fortuna Magdeburg : SV 99 Merseburg - Ausfall
  • SpVgg Erfurt : CV Magdeburg 1:1 , 1.200 Z. - auch Erfurts Sperre wurde aufgehoben
  • 1. FC Lauscha : FC Thüringen Weida 5:2 - Lauscha hatte Berufung gegen die Spielsperre eingelegt , 800 Z.